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Die Frage, was im Falle eines Unfalls mit schwerer Verletzung (so dass der Fahrer nichtmehr aus eigener Kraft in die nächste Stadt fahren kann) passiert, ist sehr berechtigt - und es gibt keine zufriedenstellende Antwort.
Albanien verfügte bis vor Kurzem über keinen einzigen Rettungshubschrauber, inzwischen soll es einen oder gar mehrere geben. Die sind aber sicher eher in der Hauptstadt oder im Süden in den Haupturlaubsregionen an der Küste stationiert. Deutschland verfügt meine ich über ca. 15 Rettungshubschrauber.
Die Sprachbarriere würde es eh sehr schwer machen, einen Standort durchzugeben (obwohl man ggfls. Koordinaten aus dem Navi oder dem Handy übermitteln könnte) oder auch nur die Art der Verletzung zu beschreiben. Es kann sein, dass Rettungskräfte inzwischen Englischkenntnisse haben.
Wenn man in Albanien Hilfe braucht, sind die Leute vor Ort sehr hilfsbereit - in einem medizinischen Notfall könnten sie Hilfe rufen, wenn man den Notfall in ihrer Nähe hat.
Allerdings war Englisch in Albanien keine Schulsprache, Menschen älter als 20 Jahre sprechen in der Regel kein Englisch. Wenn man im Alltag Hilfe braucht (wo führt der Weg entlang, geht es hier nach XY, kann man hier Trinkwasser / Benzin / Lebensmittel kaufen ...) sucht man sich am besten Schulkinder im Alter von ca. 10 - 15 Jahren, die haben in der Regel bereits Englischkenntnisse, da es jetzt Schulfach ist.
Wie Frido schon schrieb, habe ich ein kleines Notfall-Verbandspäckchen im Rucksack, zusätzlich habe ich einige harte Schmerzmittel eingepackt (Novalgin, Tilidin 100 ...). Damit hoffe ich, im Fall eines Gelenkbruchs oder einer Verstauchung / Prellung noch auf dem eigenen Moped so weit fahren zu können, dass ich fremde Hilfe bekommen kann.
Problem bei vielen unserer Touren: Wir fahren wirklich abseits von Straßen, allerdings meist auf irgendeinem Weg oder Pfad, nur selten ganz offroad, wenn es keine Pfade mehr gibt. Allerdings käme kein Rettungswagen oder Privatpkw / Transporter im Falle eines notwendigen Personentransports dorthin. Das ist ein echtes Problem.
Daher so fahren, dass das Risiko minimiert ist, ggfls. lieber umkehren, als mit Gewalt irgendwo hochzufahren, wenn das Sturzrisiko absehbar hoch (zu hoch) ist. Ein Umfaller im Stand kann natürlich auch einen Knöchel ruinieren - dann hoffe ich, mit Novalgin & Co, trotzdem wieder aus eigener Kraft in bewohnte Gegenden zu kommen. Wenn ein Moped liegenbleibt, kann man zur Not zu zweit auf dem anderen Moped weiter und Hilfe organisieren.
Und natürlich mindestens zu zweit, besser zu dritt fahren. Eine Person kann dann beim Verletzten bleiben, die dritte Person kann losfahren und Hilfe holen / koordinieren.
Ich bin geschulter Ersthelfer und nehme über den Alpenverein jährlich auch an besonderen Erste-Hilfe-Kursen teil, die speziell auf Unfälle in den Bergen beim alpinen Felsklettern abgestimmt werden, mit Kunstblut und abgerissenem Kunststoff-Finger! Viele der Situationen lassen sich gut auf Unfälle beim Endurofahren übertragen (Schienen von Frakturen, Lagerung einer verletzten Person, blutungsstillende Maßnahmen, richtiges Verhalten zur Einweisung von Rettungshubschrauber / Rettungskräften etc..
Das Problem, ein gewisses Risiko zu tragen, hat man ja bei jedem Sport abseits in der Natur (Segeln, Wandern, Bergsteigen, Motorsport, Fliegen ...). Klopf auf Holz, dass nichts passiert. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nicht eine Knochenfraktur beim Enduro- oder Motorradfahren auf der Straße.
Im Gelände fahre ich sehr teure hochwertige SIDI-Crossstiefel mit Kunststoff-Gelenk um das Sprunggelenk, vollständige Schutzausrüstung incl. Protektorenhemd, Hartschalen-Knieprotektoren etc. Das ist bei Hitze natürlich unangenehm, aber auf den Schutz will ich nicht verzichten.
Und ich will noch nicht auf solche fantastischen Touren in die schönsten Landschaften verzichten. Evtl. in ein paar Jahren, da ich aus Altersgründen zunehmend Probleme mit Rücken und Gelenken bekomme.
VG Knacker
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